Reflow-Löten

Reflow-Löten (Reflow Soldering)

Was ist Reflow-Löten? Das Temperaturprofil erklärt, bleihaltig vs. bleifrei, typische Fehlerquellen und warum Reflow das Standard-Lötverfahren für SMD ist.

Was ist Reflow-Löten?

Reflow-Löten (englisch: Reflow Soldering) ist das Standard-Lötverfahren für die SMD-Bestückung. Dabei wird Lotpaste auf die Leiterplatte aufgetragen, die Bauteile darauf platziert und anschliessend im Reflow-Ofen kontrolliert erhitzt, bis die Paste aufschmilzt und eine dauerhafte Lötverbindung entsteht.

Das Verfahren ist schnell, präzise und reproduzierbar – ideal für die automatisierte Serienfertigung. Alle SMD-Bauteile auf einer Leiterplatte werden in einem einzigen Ofendurchlauf gleichzeitig gelötet.

Das Temperaturprofil (Reflow-Profil)

Der Schlüssel zum erfolgreichen Reflow-Löten ist das Temperaturprofil. Es definiert, wie die Temperatur über die Zeit verläuft und besteht aus vier Phasen:

1. Vorheizzone (Preheat) – 25°C → 150°C

  • Langsames Aufheizen mit 1–3°C pro Sekunde
  • Verdampfung von Lösungsmitteln aus der Lotpaste
  • Verhindert Thermoschock bei empfindlichen Bauteilen

2. Temperaturausgleich (Soak) – 150°C → 200°C

  • 60–120 Sekunden auf konstantem Niveau
  • Alle Bereiche der Platine erreichen gleichmässige Temperatur
  • Flussmittel wird aktiviert und reinigt die Metalloberflächen

3. Reflow-Zone (Peak) – 200°C → 245°C (bleifrei)

  • Die Lotpaste schmilzt auf und benetzt die Pads und Bauteilanschlüsse
  • Zeit über Liquidus (TAL): 40–90 Sekunden
  • Spitzentemperatur: 235–245°C (bleifrei) bzw. 210–225°C (bleihaltig)

4. Abkühlzone (Cooling) – 245°C → 25°C

  • Kontrolliertes Abkühlen mit max. 4°C pro Sekunde
  • Das Lot erstarrt und bildet eine kristalline Struktur
  • Zu schnelles Abkühlen kann Risse verursachen

Bleihaltig vs. Bleifrei

In der modernen Elektronikfertigung gibt es zwei Lotlegierungen:

EigenschaftBleihaltig (SnPb)Bleifrei (SAC305)
LegierungSn63/Pb37Sn96.5/Ag3.0/Cu0.5
Schmelzpunkt183°C217–220°C
Peak-Temperatur210–225°C235–245°C
BenetzungSehr gutGut
FehlerrateNiedrigerHöher (Tombstoning, Voids)
RegulierungRoHS-eingeschränktRoHS-konform
EinsatzMilitär, Medizin (Ausnahmen)Standard (CE-Pflicht)

In Europa gilt seit 2006 die RoHS-Richtlinie – bleifreies Löten ist Standard. Ausnahmen bestehen für Medizintechnik, Militär und bestimmte Hochzuverlässigkeitsanwendungen.

Typische Fehlerquellen beim Reflow-Löten

  • Tombstoning: Kleine Passivbauteile stehen senkrecht auf → Ursache: asymmetrisches Layout oder ungleichmässige Lotpaste
  • Lötbrücken: Kurzschlüsse zwischen benachbarten Pads → Ursache: zu viel Lotpaste oder zu enge Pad-Abstände
  • Kalte Lötstellen: Matte, körnige Oberfläche → Ursache: Peak-Temperatur zu niedrig oder zu kurze TAL
  • Voids (Lunker): Hohlräume in der Lötstelle → Ursache: Ausgasungen, zu schnelle Aufheizrate
  • Verformung (Warpage): Platine oder BGA-Gehäuse verbiegen sich → Ursache: ungleichmässige Erwärmung
  • Head-in-Pillow: BGA-Kugel schmilzt nicht mit Lotpaste zusammen → Ursache: Warpage + oxidierte Oberflächen

Durch ein optimiertes Reflow-Profil, regelmässige Wartung des Ofens und eine präzise SPI-Kontrolle lassen sich diese Fehler zuverlässig vermeiden.

Best Practices für das Reflow-Löten

Moderne EMS-Dienstleister setzen Reflow-Öfen mit Stickstoff-Atmosphäre ein. Das verhindert Oxidation und verbessert die Benetzung – besonders wichtig bei bleifreiem Löten.

  • Individuelle Profile: Jedes Produkt erhält ein massgeschneidertes Temperaturprofil
  • Profilaufzeichnung: Lückenlose Dokumentation jedes Ofendurchlaufs gewährleistet Rückverfolgbarkeit
  • SPI vor dem Ofen: 3D-Lotpasten-Inspektion stellt sicher, dass nur korrekt bepastete Boards in den Ofen gelangen
  • AOI nach dem Ofen: Jede Lötstelle wird automatisch optisch geprüft

Achten Sie bei der Wahl Ihres Fertigungspartners darauf, dass diese Qualitätsmassnahmen standardmässig implementiert sind.

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